Klima und Mensch – eine 12.000-jährige Geschichte

Weihnachtliche Gedanken zur Situation der Wissenschaft in Deutschland in der Süddeutschen Zeitung am 26. Dezember 2017:

Die Wissenschaft muss tun, was sie tut – nur besser

[...] Ein erfreuliches Signal war der Science March im Frühjahr dieses Jahres, bei dem Zehntausende Forscher weltweit auf die Straße gingen. Doch birgt diese Form gesellschaftlicher Auseinandersetzung auch eine Gefahr. Sie nährt den Eindruck, Wissenschaft sei nur ein Spieler von vielen im pluralistischen Gerangel um Macht und Einfluss. Eine Strömung, der man sich anschließen kann – oder auch nicht.

Damit geriete die Wissenschaft in eine Position, die ihr weder gut tut noch zusteht. Darauf hat Peter Strohschneider, Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft, in diesem Sommer in einer soeben zur Rede des Jahres ausgezeichneten Ansprache hingewiesen. Er warnte vor einer “Szientokratie”, in der “politische Macht durch Wahrheit anstatt durch Mehrheit und Verfassung legitimiert” wird. Forscher dürften sich nicht als Instanz des Wahrheitsbesitzes verstehen, “sondern als diejenigen der rationalen, methodischen Suche nach Wahrheit”. Wie ist das in den wissenschaftlichen Alltag zu übersetzen? Die Antwort klingt banal, ist es aber nicht: Die Wissenschaft muss tun, was sie tut, nur besser. Puristischer. Mit härteren Standards. Weniger vollmundig. [...]

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Sicher ist das auch eine Warnung an das PIK, bei dem Wissenschaft munter mit Aktivismus und Politik vermengt werden. Kein guter Ansatz, wie der Präsident der DFG jetzt noch einmal attestiert. Kanzlerin Merkel gefällt es offenbar, denn sie lässt die Potsdamer seit Jahren gewähren, ja unterstützt mit allen Kräften.

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Die Tage der Schokolade scheinen gezählt zu sein. Ab 2050 besteht das Risiko, dass es keine Schokolade mehr gibt, Schuld daran hätte der Klimawandel, sagt die University of California at Berkeley. Die Story scheint direkt aus dem Lehrbuch für effektiven Klimaalarm und moderne Klimapropaganda entsprungen zu sein. Regel 1: Man nehme ein Thema, das den Menschen nahe geht und sie persönlich anspricht. Das kann ein knuddeliger Eisbär sein, ein regionaler Sturm des Vortages oder halt Schokolade. Merken die Leute wirklich nicht, welches Spiel hier mit ihnen gespielt wird?

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Der Paläoklimatologe Heinz Wanner hat ein neues Buch geschrieben: “Klima und Mensch – eine 12’000-jährige Geschichte“. In der Amazon-Buchbeschreibung heißt es:

Wie das Klima die menschliche Geschichte beeinflusst dargestellt vom Doyen der Klimaforschung
Während des Holozäns, der gegenwärtigen Warmzeit, hat das Klima die menschliche Geschichte und die gesellschaftlichen Entwicklungen immer wieder markant beeinflusst. Der bekannte Klimaforscher Heinz Wanner beschreibt die grundlegenden Vorgänge im Klimasystem und erläutert die wissenschaftlichen Analysemöglichkeiten mittels rekonstruierter Daten und Modellsimulationen. Das Klima des Holozäns wird ausführlich dargestellt, wobei der Schwerpunkt auf auslösenden Faktoren der Klimaschwankungen sowie auf räumlichen Mustern des Klimawandels liegt. Der Autor geht der Frage nach, wie einzelne Gesellschaften weltweit auf extreme Klimaperioden wie Trocken- oder Kältephasen reagiert haben, zum Beispiel die Pueblos in Nordamerika, die Inuit und die Wikinger in Grönland, die Bewohner der Sahara oder die Harappankultur der Indusebene. Ein hoch aktuelles Buch, von einem der international renommiertesten Klimageografen, in spannender, auch für interessierte Laien verständlicher Sprache verfasst und mit vielen informativen Grafiken und Übersichtsfotos illustriert. Ein Werk, das die Zusammenhänge zwischen Klima und den großen gesellschaftlichen Umwälzungen der letzten 12 000 Jahre fundiert aufzeigt.

 

Das Inhaltsverzeichnis liest sich gut. Unter anderem geht es um die Mittelalterliche Wärmeperiode, die Wanner zumindest im Glossar fälschlicherweise auf den Raum Nordatlantik/Europa beschränkt sieht. Diese Sichtweise ist mittlerweile veraltet, da die MWP auf allen Kontinenten dokumentiert wurde. Immerhin geht es aber auch um die Bond-Zyklen und solare Einflüsse auf das Klima. Die dkS-Redaktion hat das Buch leider nicht vorliegen. Auf Seite 65 im Buch kommen offenbar Fritz Vahrenholt und Sebastian Lüning (im Personenverzeichnis als ‘Lühning’ falsch geschrieben) vor. Was schreibt Wanner über Die kalte Sonne? Vielleicht hat einer unserer Blogleser das Buch? Über Hinweise wären wir dankbar (Kontakt). (UPDATE 9.2.2018: Ein Leser hat sich jetzt bei uns dankenswerterweise gemeldet und uns den Inhalt der kurzen Passage mitgeteilt: “In Deutschland haben der Chemiker und Politiker Fritz Vahrenholt sowie der Geologe Sebastian Lühning in ihrem Buch «Die kalte Sonne. Warum die Klimakatastrophe nicht stattfindet» versucht, die Klimaände- rung der letzten Jahrzehnte auf die Sonne zurückzuführen.“).

In einem kürzlichen Vortrag beschrieb Wanner die starken Klimaschwankungen des Holozän recht genau und gab zu, dass man die warme Römerzeit und die MWP nicht ohne die Schwankungen der Sonnenaktivität erklären kann (obwohl er natürlich den Vulkan-Joker als ersten und folglich scheinbar wichtigeren Faktor erwähnte). Er gab auch beiläufig zu, dass die alpinen Gletscher zur Römerzeit und früher viel kleiner waren als heute.

Für die Erwärmung seit 1860 sind für Wanner die Menschen zu 2/3 und natürliche Faktoren zu 1/3 verantwortlich. Und er empfiehlt als Stocker-Mentor natürlich die totale und sofortige Dekarbonisierung der Wirtschaft, obwohl er zugeben musste, dass die Welt nach seinen Vorstellungen, ohne fossiles CO2, ja noch zu zwei Dritteln in der Kleinen Eiszeit stecken würde und es ungemütlich kühl wäre, nachdem die Kleine Eiszeit die kälteste Phase des Holozän seit dem 8,2 ka Event war…

In der Diskussion hat er auch Herrn Vahrenholt etwas despektierlich erwähnt, in dem er sinngemäss meinte, es sei ja billig und einfach Vorhersagen zu machen, die sich erst in ferner Zukunft erfüllen könnten und so nicht nachprüfbar wären. Bei diesem Punkt hat Wanner natürlich “Steine im Glashaus geworfen”, weil er selbst ständig vor Gefahren (vor allem Meerespiegelanstieg um 20 cm pro Grad Erwärmung und Dürre- und Flutkatastrophen) am Ende des Jahrhunderts warnte (also erst in ca. 80 Jahren) während die DkS-Vorhersagen ja schon in ca. 20 Jahren weitgehend beurteilt werden können.