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Die Sonne im August 2018 und atmosphärische Konflikte

Von Frank Bosse und Fritz Vahrenholt

Das Zentralgestirn unseres Planetensystems war auch im August unternormal aktiv. Die festgestellte mittlere monatliche Sonnenfleckenzahl (SSN für SunSpotNumber) betrug nur 8,8. Zum Vergleich: das arithmetische Mittel über alle bisher systematisch beobachteten 23 Zyklen für den 117. Monat des 11-jährigen Zyklus beträgt 31,2. Die Sonne war also im letzten Monat weniger als 1/3 so aktiv wie im Mittel. An 13 Tagen des Monats war überhaupt kein Fleck zu beobachten, an den übrigen Tagen sah man diesmal die Südhemisphäre zu 74% zu den wenigen kleinen Flecken beitragen.

Abb.1: Die Fleckenaktivität des aktuellen SC (für SolarCycle) 24 im Vergleich zu einem mittleren Zyklus (blau) und dem im letzten Zyklusdrittel sehr ähnlichen SC5 ( schwarz).

 

Vieles spricht dafür, dass der Zyklus seine letzten rechnerischen 14 Monate sehr ruhig beendet. Das ist einigermaßen beruhigend  wenn man weiß, dass die Sonne auch anders könnte und wohl auch schon konnte. Super-Explosionen auf der Sonne kamen schon vor: der berühmte „Carrington Event“ am 1.September 1859 ist ein Beispiel. Damals gab es einen Flare (eine Sonneruption),  der erdgerichtet war und um ein Vielfaches stärker als alles, was wir in dieser Beziehung im Satellitenzeitalter beobachten konnten. Vor wenigen Wochen erschienen Arbeiten, die Ereignisse im Jahre 774 und 993 ( wir wissen von Ihnen durch globale Nachweise in Proxies) unzweifelhaft der Sonne zuordneten, und die noch etwa 20 mal so stark waren wie der „Carrington Event“.

Auch im Jahre 2012 ereignete sich ein potentiell gefährlicher Flare, der jedoch nicht erdgerichtet war. Für die heutige Infrastruktur mit ihren langen Leitungen für Energieversorgung und Kommunikation wäre ein Treffer schon sehr gefährlich, vermutlich würde auch jede Satellitennavigation ausfallen. Eine Vorhersage ist noch relativ unsicher. Mehr als 1…2 Wochen vor einem möglichen Event hätten wir vielleicht nur die Gelegenheit, uns zu wappnen, wie diese aktuelle Arbeit zeigt.  Und wann ein großer energiereicher Sonnenfleck wohin genau explodiert- für solche Vorhersagen gibt es noch keine ausreichenden Modelle. Also ist bei allen Fortschritten im Wissen um die Eigenschaften unserer Sonne immer noch ein wenig Glück dabei, dass wir noch keine fundamentalen Schäden durch Sonnenstürme erleben mussten: Großflächige Blackouts, Netzwerkausfälle auf lange Zeiten, kaum noch funktionierende Navigation.

Zurück zur aktuell sehr ruhigen Sonne. Der Vergleich der Zyklen untereinander bestätigt das:

Abb.2: Die aufsummierten Abweichungen der einzelnen Zyklen vom mittleren Zyklus  (blau in Abb.1). Sehr gut sichtbar: die Clusterbildung. Seit dem Zyklus 5 tauchen immer mindestens 3 Zyklen in Reihe auf, die entweder unter- oder übernormal stark waren. Einzelne Ausreißer sind nicht zu verzeichnen.

 

Die Vorausschau auf den Zyklus 25 wird nun immer verlässlicher: die maximale Stärke der polaren solaren Felder ist mit hoher Sicherheit erreicht. Recht wahrscheinlich ist ein nächster Zyklus, der etwa so stark ist wie der SC14, der zwischen 1902 und 1913 beobachtet wurde. Also weiterhin eine (magnetfeldtechnisch) schwache Sonne bis in die 30er Jahre der 2000er.

 

Atmosphärische Konflikte

Gemeint ist hier nicht das bekannte und vergnügliche Gedicht von Erich Kästner, mit dem er die interne Variabilität des Überganges Winter/ Frühjahr in Deutschland vor genau 90 Jahren mit Humor und Tiefgang beschrieb, als noch keiner  verfrühte/verspätete Wärme dem Klimawandel zuschreiben wollte. Die einzigen, die blass wurden, waren die Oberkellner!

Vielmehr geht es uns um eine aktuelle Arbeit von McKitrick/Christy, in der die Autoren mit den bestmöglichen Beobachtungen seit 1958 aus Ballonaufstiegen die Erwärmung der tropischen oberen Atmosphäre auswerten. Die Temperaturen in einer Höhe von 10-13km ( 300mb-200mb), so sagen es die Modelle, erwärmen sich deutlich schneller bei jedem Temperaturanstieg als die am Boden, also auch den durch die Wirkung von Treibhausgasen. Es ist die Region in unserer Atmosphäre, die am heftigsten auf diesen Antrieb reagiert. Daher nennt man es auch den „tropischen Hotspot“.

 

Abb.3: Der „tropische Hotspot“ in einem Klimamodell. Über den Tropen (Latitude -25°…25°) in der Höhe von 200-300mb soll sich die Troposphäre mit ca. 0,5°C/ Dekade erwärmt haben zwischen 1958 und 2017. Quelle: Fig.1 aus McKitrick et al. (2018).

 

Das ist doch super, sollte man meinen. Wir haben damit eine „Vorwarnung“, die Erwärmung ist dort noch heftiger als am Boden und wir können sehr gut ablesen, wie stark es sich aufheizt, noch bevor es am Boden so manifest wird. Ganz so einfach ist es nicht! Die Luft ist recht dünn auf Reiseflughöhe der modernen Jets und daher auch sehr empfindlich auf interne Schwankungen des Klimasystems. So haben da  ElNinos viel größere Ausschläge, ebenso wie Vulkanereignisse. Sie erkennen die starken Einflüsse von ENSO in Abb.4: sowohl 1997/98 als auch 2015/16/17 sieht man Ausbrüche nach oben. Bleibt ein solch starker Ausreißer aus, wird der Trend wieder auf das Niveau der letzten 40 Jahre zurückkehren. Diese Empfindlichkeit auf natürliche Schwankungen  macht die Trends unsicherer.

Mit Satellitenmessungen ist es auch schwierig: Um nur die fragliche troposphärische Schicht zu treffen ist eine Trennschärfe zu der darüber liegenden Stratosphäre -sie kühlt sich ab,  (vgl. Abb. 3 über 100mb) bei Erwärmung der Troposphäre, u.a. weil sie durch ihre Ausdehnung in größere Höhen gerät-  zu realisieren, die nicht durchgängig gegeben ist. Ballons steigen nicht überall auf und daher braucht es mit ihnen viel länger, um zu gesicherten Aussagen zu kommen. Nun haben sich also die Autoren von McKitrick et al. (2018) die recht langen Messreihen von verschiedenen Anbietern vorgenommen und die letzten 60 Jahre ausgewertet. Das Ergebnis: Die Erwärmung der oberen tropischen Troposphäre ist nicht im Entferntesten so stark, wie es alle Modelle, die für den 5. Sachstandbericht (AR5) des IPCC in 2013 entwickelt (CMIP5) wurden, antizipierten. Sehr gut erkennt man das in dieser Abbildung der Arbeit:

Abb.4: Die Entwicklung der Temperaturen im Bereich aus Abb.3 über die Zeit. Seit etwa 1995 laufen die Modellwerte den Beobachtungen zunehmend nach oben weg. Quelle: Fig. 3 aus McKitrick et al. (2018)

 

Die Autoren stellen denn auch mit großer statistischer Sicherheit fest, dass die Modelle inkonsistent zu den Beobachtungen sind. Um die Entwicklung der Diskrepanzen noch etwas genauer zu untersuchen, haben wir die Abb.4 digitalisiert und mit den gewonnen Daten Trendberechnungen angestellt:

Abb.5: Die linearen Trends ( in °C/ Jahr)  der Beobachtungen (blau) und des Modellmittels (rot).

 

Die kürzeste Trendlänge ab 1958 beträgt 30 Jahre, daher beginnt das Diagramm mit dem Jahr 1987. Der längste Trend geht von 1958 bis 2017. Mit jedem neuen Jahr ergibt sich ab Ende der 90er Jahre eine größere Abweichung der Modellberechnungen vom beobachteten realen Klimasystem. Während diese einen recht konstanten Anstieg von ca. 0,15°C/ Dekade seit 1958 aufweisen, erwärmt sich die Modellwelt immer schneller.

Über die Ursachen der Abweichungen lässt sich nur vermuten. Die Autoren der Arbeit jedenfalls spielen den Ball den Schöpfern der Modelle ins Feld. Ein möglicher Grund für die um ca. 100% zu hohe Erwärmung bis 2017, die ab etwa 2000 ihren Lauf nimmt, könnte eine zu hoch gerechnete Abkühlung durch Aerosole sein. Die nämlich flacht global ab Mitte der 90er in der realen Welt ab und geht sogar zurück seit Ende der 90er Jahre bis in die jüngste Vergangenheit. Auch eine fehlerhafte Berücksichtigung von tropischen Wolken in den Modellen ist zu vermuten, wie diese aktuelle Arbeit von  Allison Kolly et al. zeigt. Eine Arbeit von John Christy (der Co-Autor der hier ausgewerteten Studie von McKitrick) und Kollegen aus dem Frühjahr nutzte  Satelliten-und Ballondaten ab 1979 und kommt zu nahezu identischen Ergebnissen: Modelle zeigen zu viel Erwärmung in der tropischen Troposphäre. Die Autoren vermuten weitere Modellfehler beim modellierten Wasserkreislauf und in der Physik von Niederschlägen.

Wie auch immer: die Empfindlichkeit der Modelle gegenüber der weitgehend CO2-bedingten Erwärmung ist auch beim „Hotspot“, also in der Region mit dem modellierten stärksten Anstieg der Temperaturen weltweit, um bis zum Faktor 2 zu hoch. Und die Diskrepanz wird weiter wachsen, das legt Abb. 5 nahe. Alle Prognosen, die mit viel zu heiß laufenden Klimamodellen begründet werden, müssen immer mehr hinterfragt werden. Die empirische Wissenschaft zeigt die Grenzen der Modell-Apokalyptiker auf. Wir freuen uns auf jeden Fortschritt in der Wetter-u. Klimabeobachtung!

 

Harald Lesch und seine wachsenden Lynchdrüsen

Eigentlich wollten wir uns an dieser Stelle nicht mehr mit Harald Lesch beschäftigen. Mit populistischen Sprüchen zieht er noch immer bei Vortragsveranstaltungen und TV-Talkrunden die Sonne als Klimafaktor ins Lächerliche. Dabei scheint ihm gar nicht bewusst zu sein, dass die Klimawirkung der Sonne in vielen Fachpublikationen bereits ausführlich beschrieben wurde. Es geht also allein um die Frage, weshalb die Sonne ihre Klimawirkung exakt um 1850 ganz plötzlich verloren haben soll bzw. wieviel sie zur Erwärmung der letzten 150 Jahre beigetragen hat. Darauf hat Lesch keine Antwort.

Das Klima Manifest Heiligenroth hat die neuesten Verlautbarungen von Lesch zum Thema Sonne analysiert und die entsprechenden Szenen in einem Video zusammengeschnitten. Blenden Sie dabei bitte die Diskussion um die Absoluttemperatur aus, die unserer Ansicht nach wenig fruchtbar ist, denn dabei geht es um Unterschiede des Basiniveaus, die schnell zu klären wären. Leschs erster Autritt fand Anfang des Jahres 2018 beim Münchner Forum Nachhaltigkeit statt. Bei Minute 23:20 im Vortragsvideo erklärt er zur Klimawirkung der Sonne:

“Das Thema können wir vergessen. Habe ich auch keine Lust mehr, darüber zu sprechen.”

Dazu zeigt er dann Kurven zur Entwicklung von Temperatur, CO2 und Sonne. Alle drei Kurven zeigen in den letzten 100 Jahre einen Anstieg. Die Kurven von Temperatur und CO2 hat er mittels geeigneter Achseneinteilung stark nach oben auseinandergezogen, die Sonne jedoch kleingestaucht. Mit diesem graphischen Taschenspielertrick versucht er die Zuhörenden zu überzeugen. Das ist arm und billig.

Im Februar 2018 folgte dann der nächste Auftritt, offenbar eine Veranstaltung des Thüringer Umweltministeriums. Wieder zeigt er dieselben Kurven, hofft darauf, dass niemand, seine Tricksereien erkennt. Diesmal nennt er sogar seine ärgsten Gegenspieler beim Namen, nämlich uns, die Kalte Sonne. Ganz offensichtlich beschäftigt ihn die Sache. Aber anstatt mit Argumenten zu kontern, prügelt er einfach verbal drauf los.

“Lassen Sie sich nichts erzählen, dass die Sonne da irgendeinen Einfluss gehabt hat. Das ist alles Stuß, ja. Also, ‘Die kalte Sonne – ich krieg Zustände wenn ich davon höre. Wir wissen ganz genau, dass es die Treibhausgase sind, die die Erwärmung antreiben.”

Leschs gefährliche Ahnungslosigkeit ist erschreckend. Mit seiner Polemik verführt er die Massen, erweist der Wissenschaft und der Klimadebatte keinen guten Dienst. Woran könnte es liegen? In einer Talkshow führt Markus Lanz am 14. August 2018 den volkstümlichen Professor als Sohn eines Starktromelektrikers ein, der in der Kneipe seiner Großeltern in Hessen aufgewachsen ist. Vielleicht sind es diese frühen Jahre in der verrauchten Gaststätte, die Lesch das seriöse und ausgewogene Argumentieren heute so schwer machen.

Und schließlich noch ein Lesch-Vortrag aus dem Juli 2018, beim AStA Umweltreferat der TMU München. Der Hass auf die natürlichen Klimafaktoren ist offenbar noch weiter gestiegen. Unser Buch und Blog ‘Die kalte Sonne’ bezeichnte er als ‘Schwachsinn’, das wäre doch alles nur ‘Geschwätz’. Wir hätten ‘nur Meinung, keine Ahnung’. Er bekäme davon Sodbrennen und wachsende Lynchdrüsen. Ja, er sagt zunächst wirklich ‘Lynchdrüsen’. Das Publikum johlt, klatscht begeistert, nachdem der Groschen gefallen ist. Schnell korrigiert Lesch auf “Lymphdrüsen”. Ein sorgfältig geplanter Versprecher? Erinnerungen an einen Grazer Musikprofessor werden wach, der für Klimaskeptiker die Todesstrafe forderte.

Ist das Thema nicht in Wirklichkeit viel zu ernst, um daraus Klamauk zu machen? Die Attribution der Erwärmung der letzten 150 Jahre ist nicht so trivial, wie es so mancher Fernsehunterhalter glaubt. Ein Blick auf die unverzerrten Kurven mach nachdenklich:

 

Abbildung: Temperatur, CO2 und Sonnenaktivität zeigen in den letzten 150 Jahren einen ähnlichen Trend, was zu einem Attributionsproblem führt.

 

Chronik zur Leschologie:

 

TU München: Bäume im Klimawandel wachsen schneller

Pressemitteilung der Technischen Universität München vom 14. August 2018:

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Die Holzdichte von europäischen Bäumen nimmt seit 1870 kontinuierlich ab

Bäume im Klimawandel: Schneller groß mit leichterem Holz

Bäume im Klimawandel wachsen schneller. Das klingt wie eine gute Nachricht. Denn es bedeutet, dass Bäume mehr Kohlendioxid aus der Atmosphäre im Holz speichern und damit der Erderwärmung den Treibstoff entziehen. Doch ist die Rechnung so einfach? Ein Team der Technischen Universität München (TUM) hat Holzproben der ältesten existierenden Versuchsflächen aus 150 Jahren daraufhin analysiert – und kommt zu einem überraschenden Ergebnis.

Das Team um Hans Pretzsch, Professor für Waldwachstumskunde an der TUM, hat Holzproben von mehreren hundert Bäumen untersucht und jeden einzelnen Jahresring mit einem Hightech-Verfahren analysiert – es sind mehr als 30.000. „Das Herz der LIGNOSTATION ist eine Hochfrequenzsonde, mit der jede Probe in Hundertstelmillimeterschritten abgetastet wird“, erklärt Pretzsch das Analyseverfahren. „Damit messen wir das spezifische Gewicht des Holzes in einer Genauigkeit und Auflösung, die bis vor Kurzem nicht denkbar war.“

Die Holzproben stammen von den ältesten Waldversuchsflächen in Europa, die zeitgleich mit der Gründung der TU München vor 150 Jahren angelegt wurden. Die Proben wurden von gängigen europäischen Baumarten genommen, wie etwa von Fichten, Kiefern, Buchen und Eichen. „Wir kennen die Geschichte jeder einzelnen Fläche, jedes einzelnen Baumes, sehr genau“, sagt Pretzsch. „Damit können wir ausschließen, dass unsere Ergebnisse daher kommen, dass der Wald heute anders bewirtschaftet wird als vor hundert Jahren.“

Der Klimawandel macht das Holz leichter

Mit der Kombination von Holzproben seit den 1870er-Jahren bis heute gekoppelt mit modernster Messtechnik konnte das Team am Wissenschaftszentrum Weihenstephan zeigen, dass das jährlich wachsende Holz seit Beginn der Beobachtungen allmählich leichter geworden ist: Seit 1900 um acht bis zwölf Prozent. Im gleichen Zeitraum hat sich das Volumenwachstum der Bäume in Mitteleuropa um 29 bis hundert Prozent beschleunigt.

Mit anderen Worten: Auch wenn heute mehr Holzvolumen produziert wird, ist es inzwischen mit weniger Substanz gefüllt als noch vor einigen Jahrzehnten. Die Erklärung, die sich vordergründig aufdrängt, trifft allerdings nicht zu. „Vielleicht mutmaßen nun manche, dass das schnellere Wachstum an sich schon die Ursache für unsere Beobachtungen sein könnte“, sagt Dr. Peter Biber, Mitautor der Studie – „bei manchen Baumarten ist es in der Tat so, dass breitere Jahresringe tendenziell auch leichteres Holz haben. Diesen Effekt haben wir aber berücksichtigt. Die Abnahme der Holzdichte, von der wir jedoch sprechen, hat andere Ursachen.“

Die Ursachen sehen Pretzsch und sein Team vielmehr im langfristigen Temperaturanstieg, hervorgerufen durch den Klimawandel und der damit zusammenhängenden Verlängerung der Vegetationszeit. Aber auch in den Stickstoffeinträgen aus Landwirtschaft, Verkehr und Industrie. Darauf deuten für Fachleute etliche Details hin, wie etwa ein Rückgang der Spätholzdichte und eine Zunahme des Frühholzanteils in den Jahresringen.

Leichteres Holz – wo ist das Problem?

Leichteres Holz ist weniger stabil und sein Brennwert ist geringer. Dies ist für zahlreiche Verwendungen entscheidend, vom Holzbau bis zur energetischen Nutzung. Weniger stabiles Holz in lebenden Bäumen steigert zugleich das Risiko von Schadereignissen wie Wind- und Schneebruch in Wäldern.

Das für Praxis und Politik wohl wichtigste Ergebnis der Studie ist jedoch, dass die aktuelle klimawirksame Kohlenstoffbindung der Wälder überschätzt wird, solange sie mit den gängigen veralteten Holzdichten berechnet wird. „Immer noch führt das beschleunigte Wachstum auch zu einem Mehr an Kohlenstoffbindung“, sagt Pretzsch. „Auf die Wälder von Mitteleuropa hochgerechnet liegt aber die traditionelle Schätzung um zehn Millionen Tonnen Kohlenstoff pro Jahr zu hoch.“

Mehr Informationen:

Die Forschergruppe am Lehrstuhl für Waldwachstumskunde des Wissenschaftszentrum Weihenstephan der TUM unter Leitung von Hans Pretzsch untersucht den Effekt des Klimawandels auf das Wachstum, die Stabilität und Vitalität von Bäumen. Eine wichtige Basis dafür bilden die Versuchsflächen des Lehrstuhls, auf denen die Dynamik von Wäldern für ökologische und ökonomische Fragen seit 1870 gemessen wird. Hier tragen sie dazu bei, den Fußabdruck des Menschen in Waldökosystemen aufzudecken.

Publikationen:

Pretzsch, H., Biber, P., Schütze, G., Kemmerer, J. and Uhl, E.: Wood density reduced while wood volume growth accelerated in Central European forests since 1870, Forest Ecology and Management, Volume 429/2018. DOI: doi.org/10.1016/j.foreco.2018.07.045

Pretzsch, H., Biber, P., Uhl, E., Dahlhausen, J., Schütze, G., Perkins, D., Rötzer, T., Caldentey, J., Koike, T., van Con, T., Chavanne, A., du Toit, B., Foster, K., Lefer, B.: Climate change accelerates growth of urban trees in metropolises worldwide. Scientific Reports 7/ 2017. DOI:10.1038/s41598-017-14831-w.

Pretzsch, H., Biber, P., Schütze, G., Uhl, E., Rötzer, T.: Forest stand growth dynamics in Central Europe have accelerated since 1870. Nature Communications 5/ 2014

 

Im Alpenraum kann kein Zusammenhang zwischen Hitze und Bergstürzen hergestellt werden

Am 14. August 2018 brachte SRF einen erfrischend ausgewogenen Klimabeitrag:

Führt der heisse Sommer zu mehr Felsstürzen? Ein Geologe und eine Geografin relativieren.

Es war die Bundespräsidentin persönlich, die vor einem Jahr, nur wenige Stunden nach dem gewaltigen Bergsturz bei Bondo eine Erklärung dafür lieferte: Der Klimawandel. Und wörtlich meinte Umweltministerin Doris Leuthard damals: «Es wird weitergehen mit solchen Zwischenfällen».

Die Klimaerwärmung als Schuldige. Die Erwärmung in den Bergen, die das normalerweise dauerhaft gefrorene Gestein, den Permafrost, auftaut. Und zu gewaltigen Bergstürzen führt. Stimmt das so?

Experte relativiert

Ueli Gruner, Geologe und Lehrbeauftragter für Naturgefahren an der Universität Bern, hat die Bergstürze im Alpenraum studiert und sagt dazu: «Es konnte kein Zusammenhang zwischen Hitze und Bergstürzen hergestellt werden – in kälteren und nassen Zeiten kann es tendenziell sogar zu etwas mehr Bergstürzen kommen.»

Weiterlesen beim SRF

 

 

Klimawandel in Österreich: Alpengletscher vor einigen Jahrtausenden kürzer als heute

Im Jahr 1998 gab es in Österreich 925 Gletscher oder Eiskörper mit mehr als 1 ha Fläche, die zusammen 452 Quadratkilometer bedeckten, wobei sich 50 % der österreichischen Gletscherfläche sich in den beiden Gebirgsgruppen Ötztaler Alpen und Venedigergruppe befindet. Alle vermessenen Gletscher Österreichs haben im Zeitraum seit 1980 deutlich an Fläche und Volumen verloren. So hat z. B. in den südlichen Ötztaler Alpen, dem größten zusammenhängenden Gletschergebiet Österreichs, die Gletscherfläche von 144,2 km² im Jahre 1969 auf 126,6 km² im Jahre 1997 und 116,1 km² im Jahre 2006 abgenommen (APCC 2014). Zuvor hatte es in den 1960er und 1970er Jahren jeweils für wenige Jahre beachtliche Gletschervorstöße in Österreich gegeben (Abb. 1). Langfristig ist jedoch ein deutlicher Schmelztrend über die letzten anderthalb Jahrhunderte zu verzeichnen. Dieser Eisverlust passt gut ins Bild des Temperaturanstiegs im Zuge der Wiedererwärmung nach der Kleinen Eiszeit.

 

Abbildung 1: Jährliche Eismassenbilanzen des Hintereisferners 1952-2011. Negative Werte bedeuten Eisschmelze, positvive Werte markieren Eiszuwachs. Quelle: APCC 2014 nach Fischer et al. (2012).

 

Wichtig ist jedoch auch der längerfristige Klimakontext. Noch vor 1000 Jahren – zur Zeit der Mittelalterlichen Wärmeperiode – waren viele Alpengletscher ähnlich kurz wie heute. Im Übergang zur Kleinen Eiszeit wuchsen die Alpengletscher dann stark an, wobei sie in der Regel ihre größte Ausdehnung der gesamten letzten 10.000 Jahre erreichten. Gegen Ende der Kleinen Eiszeit setzte dann der Schmelztrend ein, der noch heute anhält. So wurden in den Schweizer Gletschern häufig Holzfunde aus der Zeit um 1000 n. Chr. gemacht, also aus der Mittelalterlichen Wärmephase stammend. Offensichtlich waren Teile der heutigen Gletschergebiete damals während starker Gletscherrückzugsphasen bewaldet. Eine noch intensivere Schmelzphase trat in den Alpen bereits vor 8000-4000 Jahren auf, während des sogenannten holozänen thermischen Maximums (HTM), als viele Alpengletscher kürzer waren als heute (Abb. 2). Am Gepatschferner lag die Baumgrenze damals z.T. deutlich höher als heute. Gletschervorschübe und –rückzüge wechselten dort während der letzten 4000 Jahre stetig (Nicolussi & Kerschner 2014). Der Österreichische Sachstandsbericht Klimawandel 2014 fasst die vorindustriellen Veränderungen der Gletscherlängen in Österreich wie folgt zusammen (APCC 2014, Band 2, Kapitel 2):

Die Gletscher waren im Alpenraum während der letzten rund 11 000 Jahre [Holozän] gekennzeichnet durch lang andauernde Perioden mit vergleichsweise geringer Ausdehnung im frühen und mittleren Holozän (bis vor rund 4 000 Jahren) und mehrfache sowie weitreichende Vorstöße in den folgenden Jahrtausenden, die in den großen Gletscherständen der „Kleinen Eiszeit“ (ca. 1260 bis 1860 n. Chr.) kulminierten. Die gegenwärtigen Gletscherausdehnungen wurden im Früh- und Mittelholozän mehrfach sowohl unter- als auch überschritten.

 

Abbildung 2: Blaue Balken markieren Zeiten, als viele alpine Gletscher kürzer als heute waren. Dargestellt sind Belege auf Basis von Baumringen und C14-Datierungen. Graphik verändert nach APCC 2014.

 

 

Klimawandel in Österreich: Dürren ohne Langzeittrend

Dürren treten bei einem Niederschlagsmangel ein, der vor allem in der landwirtschaftlichen Vegetationsperiode zu starken Ernteeinbußen führen kann. Im Rahmen ihres Klimamonitoring bietet die ZAMG auf ihrer Webseite Daten der Niederschlagsmengen in Österreich seit 1961 auf Monats-, Jahreszeiten- und Jahresbasis an. Sommer-Niederschläge in Österreich zeigen eine starke Variabilität von Jahr zu Jahr. Im Langzeittrend sind die Sommer in den letzten 55 Jahren etwas feuchter geworden (Abb. 1).

 

Abbildung 1: Entwicklung der Sommerniederschläge in Österreich während der vergangenen 55 Jahre. Angegeben ist die Abweichung zum Mitelwert des Bezugszeitraums 1981-2010. Daten: ZAMG Klimamonitoring.

 

Ein ähnliches Bild bietet sich bei Betrachtung einer längeren Dürre-Indexreihe für den weiteren Alpenraum während der vergangenen 200 Jahre. Der Standardized Precipitation-Evapotranspiration Index (SPEI) bezieht sowohl Niederschlags- als auch Temperaturänderungen mit ein. Eine Forschergruppe um Klaus Haslinger hat die SPEI-Werte auf Basis von HISTALP-Daten berechnet und fand eine starke Variabilität im Maßstab von Jahren bis mehreren Jahrzehnten (Abb. 2). Ein belastbarer Langzeittrend der Dürreentwicklung im Alpenraum ist nicht erkennbar.

 

Abbildung 2: Entwickung des SPEI-Dürreindexes im weiteren Alpenraum auf Basis von HISTALP Niederschlags- und Temperaturdaten. Negative SPEI-Werte zeigen trockenere Bedingungen an. Graphik verändert nach Haslinger et al. 2015.

 

 

Stellt man die Dürregeschichte der letzten Jahrzehnte in den Kontext der letzten Jahrhunderte, so ist auch hier kein Langzeittrend zu erkennen. So zählen zu den drei trockensten Sommern der letzten 500 Jahre in den Alpen neben 2003 auch die Jahre 1921 und 1540. Ähnlich sieht es in Frankreich aus. Eine Forschergruppe um Inga Labuhn legte 2016 eine Analyse der französischen Sommerdürren für die letzten 700 Jahre vor, die keinen Langzeittrend, dafür aber stark ausgeprägte natürliche Schwankungen fand. Das gleiche Bild in der Tschechischen Republik, für die Dobrovolný und Kollegen 2015 eine Dürrerekonstruktion für die letzten 1250 Jahre publizierten. Wiederum fallen starke Schwankungen auf, wogegen ein Langzeittrend fehlt.

Schon bald könnte es genauere Dürrerkonstruktionen für die vergangenen 500 Jahre aus dem österreichischen Weinviertel geben. Sandra Karanitsch-Ackerl und Kollegen untersuchen derzeit Baumringe von Eichen und Kiefern, deren Ringbreite einen deutlichen Bezug zu den Regenmengen im Zeitraum März bis Juli zeigen. Erste Resultate zeigen, dass die Ringe von 1500 bis 1800 allmählich schmaler wurden, was auf eine Häufung von Dürren in der Kleinen Eiszeit hinweisen könnte. Ab 1800 wurden die Ringe dann wieder dicker und erreichten im 20. und frühen 21. Jahrhundert die Breite wie im 16. Jahrhundert.

Auf Basis der vorliegenden Studien ist davon auszugehen, dass die mitteleuropäische und österreichische Dürreentwicklung der letzten Jahrzehnte noch voll und ganz in den Bereich der natürlichen Schwankungsbreite fällt. Das Lamont-Doherty Earth Observatory der Columbia University kartierte die wechselhafte Dürregeschichte Europas für die letzten beiden Jahrtausende in einem speziellen Dürreatlas („Old World Drought Atlas“).

 

Klimawandel in Österreich: Immer sonnenreicher

Wolken haben einen großen Einfluss auf den Strahlungshaushalt der Erde und somit auch auf die Lufttemperatur. Sobald sich im Sommer tagsüber eine Wolkendecke bildet und die Sonnenstrahlung abschirmt, wird es schnell spürbar kälter. Der Bewölkungsgrad wird in der Meteorologie über die Sonnenscheindauer erfasst. Je größer die Bewölkung, desto kürzer die Sonnenscheindauer.

Die ZAMG zeigt auf seiner Webseite den Verlauf der Sonnenscheindauer in tiefen und hochalpinen Lagen Österreichs seit 1880 (Abb. 1). Im Tiefland ist während der vergangenen 135 Jahre ein wellenförmiger Verlauf der Sonnenscheindauer zu verzeichnen. Im späten 19. und frühen 21. Jahrhundert schien die Sonne überdurschnittlich lang. Deutlich kürzere Sonnenscheindauern gab es im frühen und späten 20. Jahrhundert, unterbrochen durch längeren Sonnenschein in den 1940er Jahren. In den hochalpinen Lagen wurden ähnliche Schwankungen im Verlauf der Sonnenscheindauer beobachtet, jedoch ist hier in den letzten 135 Jahren ein klarer Langzeittrend zu vermehrtem Sonnenschein erkennbar (Abb. 1).

 

Abbildung 1: Entwicklung der mittleren jährlichen Sonnenscheindauer im Tiefland 1881–2016 (violett) und hochalpinen Lagen 1884–2016 (orange) Österreichs. Dargestellt sind jährliche Abweichungen vom Mittel der Jahre 1961–1990 (dünne Linien) und deren geglättete Trends (dicke Linien, 21-jähriger Gauß’scher Tiefpassfilter) (Auer u.a. 2007). Graphik verändert nach ZAMG.

 

Es erscheint plausibel, dass die langfristige Zunahme der Sonnenscheindauer (bzw. der Rückgang der Bewölkung) einen Beitrag zur beobachteten Klimaerwärmung in Österreich während der letzten 100 Jahre gespielt haben muss. Dies bestätigt auch die ZAMG auf ihrer Webseite:

„Die auffallende Ähnlichkeit der zweistufigen Entwicklung der Temperatur- und Sonnenscheinkurven im 20. Jahrhundert deutet auf einen der Gründe für den starken Temperaturanstieg in der Alpenregion…“

Der genaue Antrieb in der Veränderung der Sonnenscheindauer und damit Bewölkung ist unklar. Es fällt jedoch auf, dass der Verlauf der Bewölkung besonders im Tiefland eng an die Atlantische Multidekaden Oszillation (AMO) gekoppelt ist, wobei eine negative AMO die Bewölkung erhöht und eine positive AMO die Bewölkung verringert (Abb. 2).

 

Abbildung 2: Verlauf der Atlantischen Multidekaden Oszillation (AMO) während der vergangenen 155 Jahre. Quelle: Wikipedia. Von Rosentod, Marsupilami – NOAA, Gemeinfrei, Wikimedia.

 

Lange Messreihen der Sonnenscheindauer werden von HISTALP für ausgewählte österreichische Stationen als Visualisierung und Dateidownload angeboten (z.B. Wien Hohe Warte seit 1881). Daten für zusammengefasste Alpenregionen stellt HISTALP hier zur Verfügung.

 

Unbequeme Sonnenforschung? FBI evakuiert Sonnenlaboratorium in New Mexico

Veranstaltungsankündigung: Am Mittwoch, 10. Oktober 2018 wird um 15 Uhr in Hamburg der Klimawissenschaftler Prof. Dr. Murry L. Salby einen Vortrag mit dem Titel “What is really behind the increase of Atmospheric CO2?” halten. Die Veranstaltung findet in der Helmut-Schmidt-Universität statt, Holstenhofweg 85, 22043 Hamburg, Thomas-Ellwein-Saal (Mensagebäude).

Siehe auch unseren Beitrag "CO2-Anstieg der letzten 160 Jahre durch Entgasung aus dem Ozean?".

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Wie wird die Zukunft? Alfred Brandenberger hat in seinem Klima-Vademecum eine interessante Übersicht zum Thema “Prognosen und deren Probleme” erstellt. Die neuesten Klimanachrichten bringt Brandenberger in seinen News. Ebenfalls interessant ist die Rubrik Schnee.

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Eine bahnbrechende neue Arbeit hat jetzt den Zusammenhang zwischen der Klimaerwärmung und zunehmender Kriminalität ergründen können. Die wachsende Hitze lässt die Polizei fauler werden, was den Ganoven zusätzliche Möglichkeiten bei ihren Taten eröffnet. Siehe Bericht auf WUWT.

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Lesetipp: Trockenhitze in Linden-Limmer und anderswo: „Wie Plagen aus alter Zeit“ – von Alex Weber am 3. August 2018 auf hallolindenlimmer.de.

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Und hier noch eine Nachricht aus der Kategorie “kaum zu glauben”. Der Independent berichtete am 15. September 2018, dass das Sunspot Solar Observatory in New Mexico vom FBI aus “Sicherheitsgründen” vorübergehend geschlossen wurde:

Space observatory at centre of alien conspiracy asks for ‘patience’ after evacuation by the FBI
Solar facility was swooped on by FBI in helicopters who evacuated it – and nothing has been heard since

Weiterlesen im Independent

Was hat das FBI dort wohl gefunden? Außerirdische? Oder war es nur die Erkenntnis, dass die Sonnenflecken doch eine bedeutende Klimawirkung auf der Erde haben? Musste man alle Spuren beseitigen und die unbequemen Sonnenstatistiken sorgfältig löschen? Ein Blick auf die Webseite des Sonnenobservatoriums zeigt, dass es am 17. September 2018 wieder öffnen konnte:

Thank you for your patience! As of September 17, the Sunspot Solar Observatory is once again open for visitors to the site. Sunspot is now open, and we’re ready to show you all the great science and public outreach we do at this fantastic facility!

 

Klimawandel in Österreich: So veränderte sich die Temperatur

Ein Hauptmerkmal des Klimawandels sind Veränderungen der Jahresdurchschnittstemperatur. Die instrumentell gemessenen Temperaturen Österreichs liegen für die letzten 250 Jahre vor, wobei sich das Messnetz erst im Laufe des 20. Jahrhunderts signifikant verdichtete. Die darüber hinausreichende Temperaturgeschichte Österreichs wurde in Fallstudien für die vergangenen 10.000 Jahre anhand von Höhlentropfsteinen, Seensedimenten und Baumringen rekonstruiert.

 

Letzte 30 Jahre

Die Jahresdurchschnittstemperaturen haben sich in Österreich während der vergangenen 30 Jahre um mehr als ein halbes Grad erhöht (Abb. 1). Allerdings schwankten die Temperaturen von Jahr zu Jahr um bis zu 2 Grad.

Abbildung 1: Entwicklung der Jahresdurchschnittstemperaturen in Österreich während der vergangenen 30 Jahre (1988-2017). Umgezeichnet nach ZAMG.

 

Interessanterweise läuft die Erwärmung nicht in allen Jahreszeiten und Monaten gleichmäßig ab. So ist die Temperatur in den Monaten Februar und Oktober während der vergangenen 30 Jahre in Österreich nicht angestiegen und blieb stabil (Abb. 2).

Abbildung 2: Entwicklung der Februartemperaturen in Österreich während der vergangenen 30 Jahre (1986-2015). Die grüne Linie zeigt den linearen Trend an. Daten: CRU via Weltbank.

 

Zu beachten ist, dass Trendaussagen zur Temperaturentwicklung stark vom gewählten Betrachtungsintervall abhängig sind. Oftmals kann die Hinzunahme oder das Ausklammern eines einzigen Jahres den Trend umkehren bzw. stark abschwächen. Bart Vreeken hat die Tagesdurchschnittstemperaturen ausgewählter österreichischer und europäischer Orte farblich für die vergangenen Jahrzehnte visualisiert (Mausklick auf Namen in Karte). Zu den dargestellten Orten gehören Wien, Graz, Salzburg und Sonnblick. Auf den Graphiken lässt sich die starke Variabilität der Entwicklung gut nachvollziehen.

Auf der HISTALP Webseite der österreichischen Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) lassen sich Temperaturzeitreihen für einzelne Stationen seit Beginn der Messungen herunterladen und visualisieren. Die Datenreihen sind „homogenisiert“, das heißt, die Originalmessdaten wurden verändert, mit dem erklärten Ziel, die Werte vergleichbar zu machen. Derartige Eingriffe sind zum Teil notwendig, jedoch nicht immer unumstritten. Am Beispiel der deutschen Station Zugspitze in unmittelbarer Grenznähe zu Österreich wird deutlich, wie unterschiedlich die nationalen Wetterdienste mit den Messdaten umgehen. Während die ZAMG im Rahmen des HISTALP-Programmes die Wärmejahre in den 1940er bis 60er Jahren um ein halbes Jahr händisch heruntersetzte und damit die Erwärmungsrate zusäzlich versteilt hat, verarbeitet der Deutsche Wetterdienst die Temperaturdaten unverändert und kommt auf eine deutlich abgebremste Erwärmung (Abb. 3).

 

Abb. 3: Vergleich der Temperaturdaten der Station Zugspitze 1946-2010 in den Versionen ZAMG/HISTALP (blau) und Deutscher Wetterdienst (DWD, rot). Graphik: Stefan Kämpe. Daten: ZAMG und DWD. Andere Quellen: KNMI Climate Explorer, BEST, Wetterzentrale.

 

Temperatur-Durchschnittswerte Gesamt-Österreichs auf Monats-, Jahreszeiten- und Jahresbasis zurückgehend bis 1961 gibt es beim ZAMG-Klimamonitoring. Um die entsprechenden Werte zu erhälten, wählt man oben auf der Seite den Datentyp, das Jahr, den Zeitraum und die Darstellung „Österreichweit“ aus. Umfangreiche Excel-Dateien für die Monatswerte der Jahre 1901-2015 kann man auf eine Webseite der Weltbank herunterladen. Diese Temperaturdaten basieren auf der Climate Research Unit (CRU) der University of East Anglia (UEA), aufbereitet durch das International Water Management Institute (IWMI). Die von HISTALP homogenisierten Temperaturdatenreihen für einzelne österreichische und einige ausländische Alpenstationen können auf Jahres- und Jahreszeitenebene hier visualisiert und heruntergladen werden (Stationskarte hier).

 

Letzte 250 Jahre

Die durchschnittliche Jahresmitteltemperatur in Österreich hat sich seit Beginn des 20. Jahrhunderts um etwa zwei Grad erhöht (Abb. 4). In den späten 1980er Jahren ereignete sich dabei ein bedeutender Sprung auf ein höheres Temperaturniveau. Vergleicht man die heutigen Temperaturen mit dem relativ warmen späten 18. Jahrhundert, so ergibt sich eine Gesamterwärmung von gut einem Grad.

Abbildung 4: Entwicklung der Jahresdurchschnittstemperatur in Österreich während der letzten 250 Jahre (rote Kurven, letzter Wert: 2017). Dargestellt sind jährliche Abweichungen vom Mittel der Jahre 1961–1990 (dünne Linien) und deren geglättete Trends (dicke Linien, 21-jähriger Gauß’scher Tiefpassfilter). Violette Kurve zeigt globale Temperaturentwicklung. Graphik: ZAMG.

 

Die Ursache für den starken Erwärmungsschub in den späten 1980er Jahren ist noch nicht vollständig verstanden. Eine wichtige Rolle kommt wohl dem Ozeanzyklus der Nordatlantischen Oszillation (NAO) zu, die zu dieser Zeit maximal positive Werte einnahm, welche danach in ihrem Ausmaß nicht mehr erreicht wurden (Abb. 5). Die NAO wird von der Sonnenaktivität mitbeeinflusst und ist ein wichtiger Steuerungsfaktor von Niederschlägen und Temperaturen in Teilen Europas.

 

Abbildung 5: Verlauf der Nordatlantischen Oszillation (NAO) während der vergangenen 140 Jahre. NAO Winter Index. Graphik: Wikipedia. By Delorme [CC BY-SA 4.0], from Wikimedia Commons.

 

Letzte 2000 Jahre

Die aktuelle Wärmephase ist nicht die einzige Erwärmungsperiode in der nacheiszeitlichen Klimageschichte. Bereits im Mittelalter vor 1000 Jahren ereignete sich eine Warmphase, die besonders gut aus dem nordatlantischen Raum bekannt ist, aber auch in vielen Regionen der restlichen Welt ausgeprägt war, z.B. in Afrika. So wurde die Mittelalterliche Wärmeperiode (MWP) bzw. Mittelalterliche Klimaanomalie (MCA) auch aus den österreichischen Zentralalpen beschrieben. Eine Forschergruppe um Augusto Mangini rekonstruierte die Wintertemperaturgeschichte anhand von Sauerstoffisotopen in Tropfsteinen der Spannagelhöhle. Dabei fanden sie eine Erwärmung von 3°C im Übergang zur MWP im 8. zum 9. Jahrhundert (Abb. 6). In diesem Zusammenhang traten offenbar starke Erwärmungsschübe auf, bei denen die Temperaturen auf natürliche Weise innerhalb weniger Jahrzehnte stark nach oben schnellten. Insofern scheint weder das heutige Temperaturniveau, noch die heutige Erwärmungsrate in Österreich im historischen Kontext beispiellos zu sein. Aufgrund der guten Übereinstimmung mit Veränderungen der Sonnenaktivität, nehmen Mangini und Kollegen eine signifikante Beteiligung der Sonne an dem beobachteten vorindustriellen Klimawandel an.

Ein warmes mittelalterliches Klima im Zusammenhang mit der MWP wurde auch vom Oberen Landschitzsee in den Niederen Tauern anhand von Pollenuntersuchungen nachgewiesen (Schmidt et al. 2007, 2008). Eine warme MWP lässt sich auch aus historischen Eisberichten des Bodensees ableiten. Zwischen dem 9. und 12. Jahrhundert gab es jeweils lediglich ein oder zwei Jahre während der der Bodensee vollständig zufror (siehe Tabelle 1 in Brunner 2004: Die Seegfrörnen des Bodensees. Schriften des Vereins für Geschichte des Bodensees u. seiner Umgebung). In der nachfolgenden Kleinen Eiszeit ereigneten sich diese „Seegfrörnen“ sehr viel häufiger. Zum Höhepunkt im 15. und 16. Jahrhundert fror der Bodensee jeweils gleich sieben Mal pro Jahrhundert zu. Im 20. Und 21. Jahrhundert gab es ähnlich wie während der MWP nur eine einzige Seegfrörne, nämlich 1963.

Abbildung 6: Temperaturentwicklung der Spannagelhöhle in den österreichischen Zentralalpen während der letzten 2000 Jahre basierend auf einer Temperaturrekonstruktion anhand von stabilen Sauerstoffisotopen in Höhlentropfsteinen (Mangini et al. 2005). Daten herunterladbar beim National Climatic Data Center (NOAA).

 

Letzte 10.000 Jahre

Erweitert man den Referenzzeitraum auf die letzten 10.000 Jahre, so wird klar, dass es eine ganze Reihe von Warm- und Kältephasen in vorindustrieller Zeit gegeben hat. In der Wissenschaft wird hier von klimatischen Millenniumszyklen gesprochen, da sich die Änderungen im Takt von 1000-2000 Jahren ereigneten. Die Zyklen sind aus allen Erdteilen beschrieben worden und könnten zumindest einen Teil ihres Antrieb aus der schwankenden Sonnenaktivität beziehen. Andere Forscher nehmen einen klimasysteminternen Puls an. Eine derartige Millenniumszyklik wurde auch aus den Zentralalpen in der Spannagelhöhle von einer Gruppe um Jens Fohlmeister nachgewiesen. Rhythmische Änderungen in den Sauerstoffisotopen in Tropfsteinen zeigen über die vergangenen 10.000 Jahre einen fortlaufenden natürlichen Klimawandel, bei dem das System zwischen warm und kalt schwankte (Abb. 7).

Insgesamt ist während der vergangenen 10.000 Jahre in Österreich ein langfristiger Abkühlungstrend erkennbar. Nach Ende der letzten Eiszeit vor 12.000 Jahren, stiegen die globalen Temperaturen stark an und erreichten während des sogenannten Holozänen Thermischen Maximums (HTM) ein Maximum (9000-5000 Jahre vor heute). Diese Warmphase – auch als „Atlantikum“ bekannt – ist in der Spannagelhöhle durch besonders negative Sauerstoffisotope gekennzeichnet (Abb. 7). Vor 6000 Jahren endete diese Wärmeperiode in den Zentralalpen, und es setzte eine starke Abkühlung ein. Die kälteste Phase der gesamten letzten 10.000 Jahre ereignete sich in Österreich während der Kleinen Eiszeit im 15.-19. Jahrhundert (Abb. 6, 7). Die Endphase der Kleinen Eiszeit bildet das Referenzniveau, gegen das die Moderne Erwärmung üblicherweise gemessen wird.

Abbildung 7: Natürliche Klimaschwankungen in den österreichischen Zentralalpen während der vergangenen 10.000 Jahre, rekonstruiert auf Basis von Sauerstoffisotopenschwankungen (δ18O) von Tropfsteinen der Spannagelhöhle. Einheit in Promille der Sauerstoffisotope. Daten von Fohlmeister et al. 2012, heruntergeladen von NOAA National Climatic Data Center.

 

Wikipedia: Das Anthropozän hat für die Geologie keinen echten praktischen Wert

Vor kurzem berichteten wir an dieser Stelle über das Aus des Anthropozäns. Die Internationale Stratigraphische Kommission ließ das fragwürdige Konstrukt durchrasseln. Wie geht Wikipedia mit der Entscheidung um? Wie ebenfalls an dieser Stelle dargestellt, sind hier vor allem Vertreter des Klimaalarmismus federführend zugange. Schauen wir also in den offiziellen deutschsprachigen Wikipedia-Artikel zum Anthropozän. Und die Überraschung ist gelungen: Dort wird die Nichtaufnahme in die holozänen Stufen durch die Kommission mit keinem Wort erwähnt. Man übt sich in Schockstarre und erinnert sich lieber an alte Zeiten, als man noch Hoffnung hatte, das Anthropozän könnte sich als geologische Einheit qualifizieren. Trotz der Nichterwähnung, findet man im Artikel dennoch ein paar Absätze zu den Argumenten der Kritiker:

In der geisteswissenschaftlichen Literatur ist das Konzept auf Kritik gestoßen. Das Anthropozän würde die Rolle des Menschen als aus der Natur herausgehobener Art betonen und gerade keine Alternative zur ungehemmten Umgestaltung der Erde durch den Menschen vermitteln. Im Gegenteil würden die bisherigen Eingriffe des Menschen in Naturkreisläufe zum Anlass oder als Rechtfertigung gebraucht, um – diesmal mit dem Anspruch der Reparatur – erneut, gezielt und mit größeren Zielen ökologische Steuerungsmechanismen zu beeinflussen. Vorschläge des Geoengineerings würden den Menschen endgültig zum Herrscher der Erde machen, auch wenn sie unter dem Aspekt der Verantwortung für frühere Eingriffe und die weitere Entwicklung kommuniziert würden.[50] Stattdessen wäre eine (Re-)Integration des Menschen in die natürliche Umwelt erforderlich, die gerade nicht mit einer herausgehobenen Stellung vereinbar sei.

In seiner Kritik an der Idee des Anthropozäns weist Jürgen Manemann darauf hin, dass dieses Konzept in einem Zivilisationsmodell gründe, das vom Machbarkeits- und Perfektibilitätswahn geprägt sei. Dies zeige sich nicht zuletzt an der inneren Dimension der Idee des Anthropozäns, die auf einen Trans- oder Posthumanismus ziele. Statt mehr Technik und mehr Wissen sei es nötig einen Kulturwandel einzuleiten. Dazu müsste die Zivilgesellschaft in eine Kulturgesellschaft transformiert werden. Das Gegenkonzept zur Idee des Anthropozäns sei eine neue Humanökologie, die Wege zur kulturellen Erneuerung der Menschen aufweise und gleichzeitig daran mitwirke, kreativ neue Strukturen zu entwickeln, die helfen, Grundfähigkeiten zu entwickeln, die es Menschen ermöglichen, angesichts der Klimakatastrophe ein humanes Leben zu führen.[51]

Kritik innerhalb der Erdwissenschaften wird daran festgemacht, dass das Anthropozän keinen global definierbaren Beginn habe, wie es für eine Periodisierung erforderlich ist. Auf verschiedenen Kontinenten hat der Mensch zu unterschiedlichen Zeitpunkten massiv in den Naturhaushalt eingegriffen. In Amerika oder Australien seien Merkmale später aufgetreten als im Nahen Osten oder Südeuropa. Andererseits hätten die Eingriffe des Menschen seit dem Ende der letzten Eiszeit graduell zugenommen, eine scharf umrissene Grenze gebe es nicht. Die dieser Bewertung entsprechende Epoche ist schon anerkannt, nämlich als das Holozän, von dem das Anthropozän abgegrenzt werden solle.[52]

Nicht zuletzt wurde Kritik daran erhoben, dass die Menschheit der Industriegesellschaften sich selbst als geologische Epoche definiert, obwohl die Dauerhaftigkeit der menschlichen Einflüsse auf die Erde oder auch die Anwendbarkeit des Begriffs Mensch (Anthropo-) auf künftige, genetisch optimierte und durch Technologie unterstützte Wesen keineswegs gesichert ist.[53]

Und wie sieht es auf der Wikipedia-Seite zum Holozän aus? Dort werden die drei neuen Stufen des Holozäns sorgfältig beschrieben, das Grönlandium, das Northgrippium und das Meghalayum. Das Anthropozän taucht in der Tabelle nicht auf. Dafür wird es aber im Text ausführlich erläutert, was schon etwas verwundert, da das Anthropozän ja gar keine offizielle holozäne Stufe ist. Umso erstaunlicher ist die ehrliche Einlassung, dass das Anthropozän für die Geologie keinen echten praktischen Wert hat:

Allerdings ist das Anthropozän bislang keine offizielle geologische Epoche. Das Anthropozän-Konzept ist zwar ein geowissenschaftlich fundiertes, aber kein primär geologisches Konzept, da es kaum einen echten praktischen Wert für Geologen hat. Eine viel größere Bedeutung besitzt es für die sogenannte „Global Change research community“,[22] also jene Wissenschaftler, die sich unmittelbar mit dem anthropogen beeinflussten Wandel des Systems Erde beschäftigen. Darüber hinaus ist es auch zu einem nicht geringen Teil als ein von der Umweltbewegung inspiriertes philosophisches und politisches Konzept aufzufassen, das die Öffentlichkeit für all die oben aufgelisteten menschgemachten Veränderungen, von denen einige unter Umständen den Fortbestand der menschlichen Zivilisation ernsthaft gefährden könnten, sensibilisieren soll.[8]

In der englischsprachigen Wikipedia gibt es auch einen Artikel zur jüngsten holozänen Stufe, dem Meghalayum (oder englisch: Meghalayan). Und dort haben Aktivisten bewustt einen fetten Fehler platziert, der ihnen wohl ein Hintertürchen für das Anthropozän offenlassen soll:

The Meghalayan begins 4,200 years BP, i.e., before 1950 (c. 2250 BCE),[10] leaving open room for the possible creation of the Anthropocene from 1950 forward.

Auf Wikipedia wird dies zwar behauptet, aber die verlinkte BBC-Quelle (10) enthält diesen Hinweis gar nicht. Im Gegenteil, dort steht sogar “The Meghalayan, the youngest stage, runs from 4,200 years ago to the present.” Und mit “present” ist in diesem Zusammenhang nicht das für C14-Datierungen “0 yr BP” (=1950) relvante “Present” gemeint. Oder anders ausgedrückt: Die Kohlenstoffkarbondatierungsmethode hat ihren Nullpunkt bei 1950. Das von der Stratigraphischen Kommission verwendete “present” bezieht sich jedoch eindeutig auf heute, nicht auf das “Heute” der C14-Methode. Erläutert wird dies z.B. auf livescience.com. Da rauchen die Köpfe der Aktivisten. Wie kommen sie aus dieser Kiste wieder heraus? Wie lange können sie die Mogelei in der Online-Enzyklopädie noch aufrechterhalten?

Das Klima unter Generalverdacht

Johannes Kaufmann am 7. August 2018 in der Braunschweiger Zeitung mit einem mutigen Kommentar. Vermutlich wird er dieses Jahr keine Weihnachtskarte aus Potsdam bekommen:

Politik machen mit der Klimakatastrophe
„Das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung allerdings führt immer wieder die totale Katastrophe ins Feld, die jede Abwägung erschlägt. Dahinter steckt die Überzeugung, dass der demokratische Prozess beim Klimawandel versage.“

Weiterlesen in der Braunschweiger Zeitung (für Abonnenten).

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Die österreichische Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) bringt Vernunft in die Extremklimadebatte:

Extremwerte: Das Klima unter Generalverdacht

In der Klimawandeldiskussion wird oft die bereits stattfindende Zunahme der Klimavariabilität unterstellt: „Das Klima wird verrückter.“ Ständig versorgen uns Medien mit neuen Rekorden, Versicherungen mit explodierenden Schadenskurven, im Jahresabstand folgen 100-jährige Extremereignisse. Es folgt eine rationale Annäherung an die Frage, ob das Klima gegenüber früher generell extremer geworden ist und ob das die Folge des anthropogen verstärkten Treibhauseffekts ist.

Im Gegensatz zu langfristigen Trends gehören Extremwerte zu den unsicheren Tatsachen. Vor der eigentlichen Besprechung der Entwicklung der Klimaextremwerte ist daher der Hinweis auf den Zusammenhang zwischen der zeitlichen Auflösung und der Qualität der zugrunde liegenden Messdaten hilfreich. Extremereignisse wie Starkregen, Hagel, Muren, Sturm usw. werden hier nur am Rand behandelt, da sie Daten mit täglicher oder subtäglicher zeitlicher Auflösung erfordern. An der Verfügbarkeit qualitätsgeprüfter Tagesdaten wird im Alpenraum zwar gearbeitet, die dafür unbedingt erforderliche Homogenisierung ist aber noch wesentlich schwieriger als bei Monatsdaten. Die Frage der Homogenisierung von Klimareihen in täglicher Auflösung ist international noch nicht befriedigend gelöst. Das Hauptproblem liegt darin, dass kurzzeitige extreme Wetterereignisse räumlich noch viel unterschiedlicher sind als Monats- oder Jahresmittel. Das erfordert nicht nur bei der Homogenisierung sondern auch bei der Analyse eine Messnetzdichte, die nur regional annähernd gegeben ist.

Weiterlesen bei der ZAMG

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Spiegel Online (SPON) am 9. September 2018:

Klimawandel in Bolivien: Auf dem Trockenen
Laut bolivianischer Verfassung ist Wasser ein Menschenrecht. Wasservorräte sind staatlich kontrolliert, trotzdem gibt es viel zu wenig davon. Ganze Seen sind ausgetrocknet, wie der Lago Poopó.

Dazu zeigt SPON ein herzzereißendes Video. Der böse Klimawandel. Aber halt: Der See war in der Vergangenheit immer wieder schonmal ausgetrocknet? What’s new? Siehe unseren Beitrag “Um Antwort wird gebeten: Lago Poopó-Ente jetzt auch im SRF – Warum hat der Faktencheck versagt?

 

Warme Ostsee? Alles schonmal dagewesen

Die University of Bristol berichtete am 13. August 2018 über einen dramatischen natürlichen Klimawandel in der Türkei vor 8200 Jahren:

How Neolithic people adapted to climate change

Research led by the University of Bristol has uncovered evidence that early farmers were adapting to climate change 8,200 years ago. The study, published today in the journal Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS), centred on the Neolithic and Chalcolithic city settlement of Çatalhöyük in southern Anatolia, Turkey which existed from approximately 7500 BC to 5700 BC. During the height of the city’s occupation a well-documented climate change event 8,200 years ago occurred which resulted in a sudden decrease in global temperatures caused by the release of a huge amount of glacial meltwater from a massive freshwater lake in northern Canada.

Examining the animal bones excavated at the site, scientists concluded that the herders of the city turned towards sheep and goats at this time, as these animals were more drought-resistant than cattle. Study of cut marks on the animal bones informed on butchery practices: the high number of such marks at the time of the climate event showed that the population worked on exploiting any available meat due to food scarcity. The authors also examined the animal fats surviving in ancient cooking pots. They detected the presence of ruminant carcass fats, consistent with the animal bone assemblage discovered at Çatalhöyük. For the first time, compounds from animal fats detected in pottery were shown to carry evidence for the climate event in their isotopic composition.

Indeed, using the “you are what you eat (and drink)” principle, the scientists deducted that the isotopic information carried in the hydrogen atoms (deuterium to hydrogen ratio) from the animal fats was reflecting that of ancient precipitation. A change in the hydrogen signal was detected in the period corresponding to the climate event, thus suggesting changes in precipitation patterns at the site at that time. The paper brings together researchers from the University of Bristol’s Organic Geochemistry Unit (School of Chemistry) and the Bristol Research Initiative for the Dynamic Global Environment (School of Geographical Sciences). Co-authors of the paper include archaeologists and archaeozoologists involved in the excavations and the study of the pottery and animal bones from the site.

Dr Mélanie Roffet-Salque, lead author of the paper, said: “Changes in precipitation patterns in the past are traditionally obtained using ocean or lake sediment cores. “This is the first time that such information is derived from cooking pots. We have used the signal carried by the hydrogen atoms from the animal fats trapped in the pottery vessels after cooking. “This opens up a completely new avenue of investigation — the reconstruction of past climate at the very location where people lived using pottery.” Co-author, Professor Richard Evershed, added: “It is really significant that the climate models of the event are in complete agreement with the H signals we see in the animal fats preserved in the pots. “The models point to seasonal changes farmers would have had to adapt to — overall colder temperatures and drier summers — which would have had inevitable impacts on agriculture.”

Das Klimaereignis vor 8200 Jahre ist auch als 8.2k event bekannt und ereignete sich während einer Phase reduzierter solarer Aktivität, dem Bond Event Nr. 5. Ist es nicht seltsam, dass weder in der Pressemitteilung, nicht im Paper-Volltext das Wörtchen “solar” auftaucht? Solare Schwankungen können sowohl Veränderungen in der Temperatur als auch in den Niederschlägen verursachen.

Siehe auch Bericht im Spiegel.

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Im Juli 2018 war es in der Ostsee ziemlich warm, wie LN Online meldete:

20 Grad: Ostsee bricht den Temperatur-Rekord
So warm war die Ostsee im Juli noch nie: Die mittlere Oberflächentemperatur lag bei 20 Grad. Es ist der höchste Juli-Mittelwert seit Beginn der Aufzeichnungen.

Weiterlesen bei LN Online

Sag niemals nie. Erst wird “noch nie” behauptet, dann wird eingeschränkt “seit Beginn der Aufzeichnungen”, die jedoch erst in der Kleinen Eiszeit begannen. Hier hilft vielleicht ein bisschen Nachhilfe in Klimageschichte. Die Webseite Klimawandel in Deutschland erläutert:

Laut einer Studie im Gotlandbecken (Leipe et al. 2008) herrschten zur Zeit der Mittelalterlichen Wärmeperiode vor 1000 Jahren in der Ostsee ähnliche Bedingungen wie heute. Durch die damals warmen Temperaturen entwickelte sich eine stabile Wasserschichtung mit Zustrom von salzhaltigerem Wasser aus der Nordsee. Dies führte zu Sauerstoffmangebedingungen am Meeresboden der Ostsee und der Ausbildung von Sedimenten die reich an organischer Materie waren, wie dies auch aktuell der Fall ist. Während der Kleinen Eiszeit änderten sich die Bedingungen drastisch, das Klima kühlte sich ab. Der Zustrom an salzigem Nordseewasser war reduziert und der Wasserkörper der Ostsee konnte sich besser durchmischen. Hierdurch gelangte Sauerstoff in die bodennahen Wasserschichten, und der organische Gehalt des Sediments verringerte sich signifikant. Die im Meeresboden der Ostsee gespeicherte Klimageschichte stellt ein wichtiges Archiv dar, in dessen Kontext der heutige Klimawandel zu interpretieren ist.

NACHTRAG von Uli Weber:

Im Originalartikel der Lübecker Nachrichten heißt es, Zitat mit Hervorhebungen:

Die Höchsttemperaturen werden normalerweise im August erreicht“, sagt Bernd Brügge, Leiter der Abteilung Meereskunde beim BSH in Hamburg. Seit 1990 erhebt die Behörde via Satellit die Ostsee-Daten. Dabei wird das Meerwasser an verschiedenen Punkten in unterschiedlichen Tiefen gemessen. Noch am Donnerstag hatte die Ostsee im Fehmarnbelt 23 Grad – in ein, drei und sogar in sechs Meter Tiefe, berichtet Brügge. In 20 Meter Tiefe wurden 13 Grad gemessen.

Beim BSH heißt es aber lediglich, Zitat:

„.. Das BSH erhebt seit 1990 über Satellit die Daten der Oberflächentemperatur der Ostsee. Jeweils wöchentlich liegen damit aktuelle Daten der gesamten Ostsee vor…“

Ich konnte bisher noch nicht herausfinden, ob es vielleicht eine Beziehung über die Frequenz gibt, aus der sich bei Satellitenmessungen die Temperaturen für unterschiedliche Wassertiefen ableiten lassen. Das „Integrated Climate Data Center“ der Uni Hamburg sagt dazu lediglich:

Die Temperatur der Ozeanoberfläche (Sea Surface Temperature oder kurz SST) ist von fundamentaler Bedeutung für den Ozean-Atmosphäre-Wärmeaustausch. Ihre Messung erfolgt z. B. über Radiometer die im infraroten (Advanced Very High Resolution Radiometer, AVHRR) oder mikrowellen (Advanced Microwave Scanning Radiometer, AMSR-E) Spektralbereich arbeiten. Vorteil beim AVHRR: Feinere räumliche Auflösung; Vorteil beim AMSR-E: Wolkenunabhängig.“

Und die aktuelle Darstellung der Temperaturen vom Nordatlantik auf der DWD-Homepage zeigt auch nur eine einzige Wassertemperatur, vermutlich als Mischsignal einer dünnen Oberflächenschicht.

 

Satellitenbildauswertung zeigt: Globaler Baumbestand hat in den letzten 30 Jahren um 7 Prozent zugenommen

Die schlechte Nachricht: Täglich werden irgendwo auf der Welt Bäume umgehauen. Die gute Nachricht: Bäume wachsen nach. Letztendlich muss genauso viel nachwachsen, wie umgeschlagen wird, dann ist Nachhaltigkeit erreicht. Ein Forscherteam um Xiao-Peng Song hat jetzt auf Satellitenbildern untersucht, in wieweit sich die Baumbestände der Erde zwischen 1982 und 2016 entwickelt haben. Sie waren überrascht, als sich zeigte, dass der globale Baumbestand in den letzten 30 Jahren um 7% zugenommen hatte. Ganz so schlimm steht es dann also doch nicht um unsere gobalen Wälder. Allerdings gab es doch ein Ungleichgewicht: Der Tropenwald ist geschrumpft, dafür hat der Wald außerhalb der Tropen umso mehr zugenommen. Hier ein Bericht zur Arbeit auf phys.org vom 9. August 2018:

Study shows global forest loss over past 35 years has been more than offset by new forest growth
A team of researchers from the University of Maryland, the State University of New York and NASA’s Goddard Space Flight Center has found that new global tree growth over the past 35 years has more than offset global tree cover losses. In their paper published in the journal Nature, the group describes using satellite data to track forest growth and loss over the past 35 years and what they found by doing so. There has been a growing consensus in recent years that because humans cut down so many trees (most particularly in the rainforests) that global tree cover is shrinking. In this new effort, the researchers have found that not to be the case. They contend that global tree cover is actually increasing. To track global tree cover changes, the researchers studied data from advanced very high-resolution radiometers aboard a series of 16 weather satellites covering the years 1982 to 2016. By comparing daily readings, the researchers were able to see small changes occurring regularly over a relatively long period of time—which added up to large changes. Over the entire span, the researchers found that new tree cover had offset tree cover loss by approximately 2.24 million square kilometers—which they note is approximately the size of Texas and Alaska combined.

Weiterlesen auf phys.org.

Abstract des Papers von Song et al. 2018:

Global land change from 1982 to 2016
Land change is a cause and consequence of global environmental change1,2. Changes in land use and land cover considerably alter the Earth’s energy balance and biogeochemical cycles, which contributes to climate change and—in turn—affects land surface properties and the provision of ecosystem services1,2,3,4. However, quantification of global land change is lacking. Here we analyse 35 years’ worth of satellite data and provide a comprehensive record of global land-change dynamics during the period 1982–2016. We show that—contrary to the prevailing view that forest area has declined globally5tree cover has increased by 2.24 million km2 (+7.1% relative to the 1982 level). This overall net gain is the result of a net loss in the tropics being outweighed by a net gain in the extratropics. Global bare ground cover has decreased by 1.16 million km2 (−3.1%), most notably in agricultural regions in Asia. Of all land changes, 60% are associated with direct human activities and 40% with indirect drivers such as climate change. Land-use change exhibits regional dominance, including tropical deforestation and agricultural expansion, temperate reforestation or afforestation, cropland intensification and urbanization. Consistently across all climate domains, montane systems have gained tree cover and many arid and semi-arid ecosystems have lost vegetation cover. The mapped land changes and the driver attributions reflect a human-dominated Earth system. The dataset we developed may be used to improve the modelling of land-use changes, biogeochemical cycles and vegetation–climate interactions to advance our understanding of global environmental change1,2,3,4,6.

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Und noch mehr gute Nachrichten: In vielen Ländern der Erde fällt die Ernte 2018 besonders gut aus – trotz Klimawandel. Neue Rekorde gibt es offenbar beim Getreide in Argentinien, Sojabohnen in Brasilien, Datteln in Algerien und Mais in Südeuropa. Nachzulesen bei der GWPF.

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Hans-Joachim Schellnhuber ist Klimaheiliger. Er vertritt die ‘gute Sache’, arbeitet mit dem Papst zusammen an Lösungen, um der Menschheit die Klimasünde auszutreiben. Wenn man jedoch genauer hinschaut, ist seine Klimaweste gar nicht so rein, wie er immer vorgibt. Michael Krüger hat Schnellnhubers CO2-Fussabdruck einmal näher unter die Lupe genommen. Grundlage war Schellnhubers eigene Angabe vor einigen Jahren, er fliege etwa hundertmal pro Jahr, also etwa zweimal pro Woche. Außerdem sei er BMW-Fahrer. Krüger analysiert im Science Skeptical Blog:

Bemüht man den CO2-Rechner des Umweltbundesamtes und setzt ein normales Verbraucherverhalten an und 100 Flüge von je 1 Stunde Dauer pro Jahr, so ergibt sich ein CO2-Ausstoß von ca. 30 Tonnen CO2 pro Jahr. Bei 100 Flügen von je 2 Stunden Dauer pro Jahr wären wir schon bei 50 Tonnen CO2 pro Jahr. Der deutsche Durchschnitt liegt bei rund 10 Tonnen CO2 pro Jahr. Somit verbraucht John Schellnhuber mindestens das 3-5fache des Durchschnittsdeutschen an CO2 pro Jahr.

Hinzu kommen die CO2-Emissionen des PIK. Ein Neubau des PIK wurde 2015 fertiggestellt. Darin ein 4,5 Millionen teurer Superrechner, mit dessen Abwärme das Gebäude beheizt wird. Der Rechner wird mit dem Strommix aus dem Netz betrieben. Also vor allem mit Kohlestrom. Hinzu kommen natürlich die Flugreisen der Mitarbeiter des PIK, die zur Rettung des Planeten durch die ganze Welt jetten. Die Mitarbeiter am PIK verbrauchen somit auch ein Mehrfaches eines Durchschnittsdeutschen an CO2. Wenn alle Deutschen zur Rettung des Planeten so handeln würden, dann gute Nacht Deutschland. In Zeiten des Internet sollte eigentlich Klimafolgenforschung ohne Großrechner und 100 Flugreisen pro Jahr möglich sein. Denn es gibt inzwischen auch Skype und die Rechenleistung von PCs lässt per Internet koppeln. Siehe SETI@home.

Siehe auch englischsprachiger Beitrag auf notrickszone.

 

Konfusion um sinkende Unfallzahlen in der Landwirtschaft: Hilft der Klimawandel?

Die Oberösterreich-Nachrichten brachten am 8. August 2018 eine überraschende Meldung:

Der Klimawandel erhöht die Unfallgefahr in der Landwirtschaft
Gegen den langjährigen Trend stieg die Zahl der Arbeitsunfälle in der Landwirtschaft im Vorjahr um 18 Prozent an. [...] 1179 Arbeitsunfälle in der Landwirtschaft verzeichnete die [Sozialversicherung der Bauern] im Vorjahr in Oberösterreich. 2016 waren es noch 995 Arbeitsunfälle. Damit steht das Jahr 2017 gegen den langjährigen Trend sinkender Unfallzahlen in der Landwirtschaft. Zum Vergleich: 1997 waren noch rund 2200 Arbeitsunfälle in der oberösterreichischen Landwirtschaft verzeichnet worden. Wie ist dieser Anstieg der Unfallzahlen zu erklären? “Zusammengefasst kann man sagen, dass es mit der Klimaveränderung zusammenhängt. An den sehr heißen Tagen passiert schneller etwas. Die Konzentration wird schwieriger. Da misslingt rasch ein Handgriff und das kann verheerende Folgen haben”, sagt Striegl.

Weiterlesen auf nachrichten.at.

Eine ganz klare Milchmädchenrechnung, um in der branchennahen Sprache zu bleiben. Zunächst wird festgestellt, dass die landwirtschaftlichen Unfallzahlen in den letzten 20 Jahren gefallen sind.Und das obwohl die Temperaturen in Österreich doch eigentlich im gleichen Zeitraum gestiegen sind. Und dann wird das Ausreißerjahr 2017 mit einer erhöhten Unfallzahl dem Klimawandel zugerechnet? Wer auch immer sich diese Klimawandelgeschichte ausgedacht hat, muss hier einen klassischen Logik-Blackout gehab haben. Au weia.

Wäre es nicht schön, wenn es neben der Webseite “Klimawandel in Deutschland” auch eine Seite “Klimawandel in Österreich” gäbe? Gute Nachrichten. Eine entsprechende Domain wurde soeben registriert… Wer geeignete Links und Inhalte beisteuern möchte, kann sich gerne bei uns melden.

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Auf GR Heute gab es im Fahrwasser des Hitzesommers eine Debatte zum Klimawandel. Nachzulesen hier.

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Die korrekte Vorhersage von Klima und möglichen Klimatreibern ist eine der wichtigsten Herausforderungen in den Klimawissenschaften. Upton & Hathaway 2018 beschreiben in den Geophysical Research Letters eine neue Technik, um die Sonnenaktivität präziser vorherzusagen.

 

“Anthropozän” fällt bei Kommission zur Stratigraphie glatt durch

Leben wir in einer klimatisch außergewöhnlichen Zeit, die alles Vorherige in den Schatten stellt? Dafür muss man in die klimatische Vergangenheit schauen. Anhänger des Klimaalarmismus beschränken sich dabei auf die letzte 150 Jahre und kommen zu dem vorschnellen aber persönlich erhebenden Schluss: Ja, wir sind Teil einer Entwicklung die es noch nie gegegben hat, und wir sind auch noch selber Schuld daran. Wir mächtigen Menschen haben es geschafft, uns das Klima Untertan zu machen.

Wenn man jedoch den Vergleichszeitraum einige hundert und wenige tausend Jahre nach hinten erweitert, wird schnell klar, dass es stets einen Wechsel zwischen kalt und warm gegeben hat. Es ist ernüchternd, aber auch unsere Vorfahren hatten bereits unter dem Klimawandel zu leiden bzw. profitierten teilweise auch davon. Geologen werden speziell dafür ausgebildet, die Naturgeschichte zu dokumentieren und zu entschlüsseln. Das hierzu benötigte Zeitgerüst heißt “Stratigraphie”. Und damit alles seine Ordnung hat, gibt es eine internationale Kommission zur Stratigraphie, die über Veränderungen im verwendeten Zeitschema wacht. Eben diese Kommission hat sich im Juli 2018 zusammengesetzt und darüber diskutiert, wie man die letzten 12.000 Jahre (das sogenannte Holozän) am sinnvollsten gliedert. Vertreter der harten Klimalinie hatten gefordert, die letzten 150 Jahre als “Anthropozän” zu bezeichnen. Dieser Vorschlag wurde jetzt vom Gremium klar abgelehnt. Stattdessen unterteilte man das Holozän in drei Stufen (pdf hier):

Oberes Holozän: Meghalayan (4200 Jahre vor heute bis heute)
Mittleres Holozän: Northgrippian (8200 bis 4200 Jahre vor heute)
Unteres Holozän: Greenlandian (11.700 bis 8200 Jahre vor heute)

Abbildung: Stratigraphie des Quartärs laut überarbeiteter Tabelle der International Commission on Stratigraphy (ICS). Quelle: stratigraphy.org

 

Offenbar war die Kommission der Meinung, dass sich die letzten 150 Jahre nicht fundamental von den letzten 12.000 Jahren unterscheiden. Eine bittere Niederlage für die Anthropozentriker, die aufrund ihrer klimahistorischen Kurzsichtigkeit die heutige Entwicklung nicht im längerfristigen Kontext zu sehen vermögen.

Siehe auch Berichte auf GWPF und WUWT.

Abbildungsquelle: Josh.

 

Aktivisten-Forscher gefährden das Ansehen der gesamten Wissenschaft

Im März 2018 erschien im Fachblatt The American Sociologist eine Studie von Cofnas und Kollegen, die  das Verhältnis der Öffentlichkeit zur Wissenschaft und Wissenschaftlern untersuchte. Dabei ging es insbesondere um das Phänomen, dass der konservative Teil der Bevölkerung den Wissenschaftlern immer skeptischer gegenübersteht. Was könnte der Grund hierfür sein? Nathan Cofnas und sein Team fanden, dass die Skepsis nicht so sehr der Wissenschaft als solcher gilt, sondern vielmehr den Wissenschaftlern selber. Viele der Forscher würden heute liberal aktivistische Ansichten vertreten, wobei sie ihre Position dazu ausnutzen, die Politik in ihrem Sinne zu beeinflussen. Das pdf des Papers kann hier gelesen werden. Abstract:

Does Activism in Social Science Explain Conservatives’ Distrust of Scientists?
Data from the General Social Survey suggest that conservatives have become less trustful of scientists since the 1970s. Gauchat argues that this is because conservatives increasingly see scientific findings as threatening to their worldview. However, the General Social Survey data concern trust in scientists, not in science. We suggest that conservatives’ diminishing trust in scientists reflects the fact that scientists in certain fields, particularly social science, have increasingly adopted a liberal-activist stance, seeking to influence public policy in a liberal direction.

Die Ergebnisse lassen sich 1:1 auf die deutsche Klimadebatte und ein bestimmtes Institut in Potsdam anwenden. Siehe auch Bericht auf Campusreform.org über die Studie:

Study finds conservatives ‘right to be skeptical of scientists’
Researchers from the University of Oxford say conservative skepticism of scientific establishments is largely justified, given the prevalence of left-leaning “scholar activism” in fields like sociology and political science.

Nathan Confas and his team argue that conservatives are primarily opposed to so-called “impact scientists” who conduct research with the explicit purpose of advancing liberal policy goals.

Weiterlesen auf Campusreform.org

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Vorindustrieller Klimawandel ist ein Reizthema bei den Anhängern des Klimaalarmismus. Ein Klassiker ist die Besiedlung Grönlands, die durch mittelalterliche Klimaerwärmung und schwindendes Meereis möglich gemacht wurde. Als dann die Kleine Eiszeit einsetzte, mussten die Wikinger die Grönland-Siedlungen wieder aufgegeben. Zahlreiche Klimarekonstruktionen bestätigen diesen Ablauf. Eine ziemlich klare Angelegenheit. Eine britisch-norwegische Forschergruppe schlägt nun einen nichtklimatischen Grund für das Ende der Grönlandsiedlungen vor. Die Grönländer wären durch den Walross-Elfenbeinhandel reich geworden, was durchasu möglich ist. Als der Handel dann zum Erliegen kam, verließen die Wikinger Grönland wieder. Der IPCC wird die Story lieben. Die South China Morning Post berichtete am 8. August 2018 über die Studie:

Why did Greenland’s Viking colonies disappear? It may have been because the trade in walrus ivory collapsed
At one point, the Vikings’ descendants thrived on a lucrative trade in walrus tusks, which were sold to Europe’s elite and carved into luxury items

Weiterlesen in der South China Morning Post. Hier die Pressemitteilung der University of Cambridge.

 

Klimamodelle: Kalifornien soll in den kommenden Jahrzehnten feuchter werden

Dürren hat es in Nordmerika schon immer gegeben, hierauf wies Physics Today am 1. August 2018 hin. Zwischen 800-1500 n. Chr. suchte eine Serie jahrzehntelanger Dürren den US-amerikanischen Westen heim:

Four ways we know pre-Columbian America was plagued by megadroughts

Tree rings tell much but not all of the story of decades-long dry spells that transformed terrain and disrupted civilizations.

In the August issue of Physics Today, climate scientists Toby Ault and Scott St. George share a pair of startling research findings. Between roughly 800 and 1500 CE, the American West suffered a succession of decades-long droughts, much longer than anything we’ve endured in modern history. And statistical models suggest that, as the climate warms, such megadroughts are increasingly likely to return.

Weiterlesen in Physics Today

Indessen sieht die Zukunft Kaliforniens offenbar rosig aus. Forscher der University of California in Riverside (UCR) prognostizieren bis 2100 eine Zunahme der Regenfälle in ihrem Bundesstaat. Pressemitteilung der UCR vom 6. Juli 2017:

California Projected to Get Wetter Through This Century

UC Riverside researchers analyze 38 climate models and project California will get on average 12 percent more precipitation through 2100

Under business-as-usual greenhouse gas emissions, climate models predict California will get warmer during the rest of the century and most also predict the state will get drier. But, new research, published today in the journal Nature Communications, predicts that California will actually get wetter. The scientists from the University of California, Riverside predict the state will get an average of 12 percent more precipitation through the end of this century, compared to the last 20 years of last century.

The researchers found different rates of precipitation increase for northern, central and southern California. Northern California, which they define as starting just north of Santa Rosa (southern boundary), would increase 14.1 percent. Central California, which starts just south of San Luis Obispo (southern boundary), would go up 15.2 percent. Southern California would actually decrease 3.3 percent. They also found the winter months of December, January and February, when California traditionally gets the bulk of its precipitation, would account for much of the overall increase in precipitation. During those three months, precipitation levels would increase 31.6 percent in northern California, 39.2 percent in central California and 10.6 percent in southern California.

All these percentages are in comparison to data from the Global Precipitation Climatology Project observed between 1979 and 1999. “Most previous research emphasized uncertainty with regards to future precipitation levels in California, but the overall thought was California would become drier with continued climate change,” said Robert Allen, an associate professor at UC Riverside and one of the authors of the paper. “We found the opposite, which is quite surprising.”

The past uncertainty as to whether California would get more precipitation in the future was due to several factors, including year-to-year variations in individual weather events, shortcomings in models and because California lies within a transition zone, where northern parts of the state are expected to become wetter and southern portions are expected to be drier. Allen, a faculty member in the Department of Earth Sciences, and Rainer Luptowitz, a graduate student working with Allen, analyzed 38 climate models developed around the world to reach their conclusions.

They found that warming in the tropical eastern Pacific Ocean sea surface temperatures, an area about 2,500 miles east of the international date line, is the main reason for the predicted increase in precipitation levels. The warming sea surface temperatures encourage a southeastward shift of the jet stream, which helps steer more rain-producing mid-latitude cyclones toward California. “Essentially, this mechanism is similar to what we in California expect during an El Nino year,” Allen said. “Ultimately, what I am arguing is El Nino-like years are going to become more the norm in California.” But, Allen cautions that prediction of an El Nino-like year is no guarantee of a more wet winter in California. The 2015-16 winter was an example of that. Many other climatic factors must be considered.

 

Merkwürdiger Meereswirbel: Zyklische Zeitbombe vor Alaska

Am 18. und 19. Oktober 2018 findet im englischen Küstenort Portsmouth die Konferenz “Climate Policy Choices: Payoffs and Trade-offs” statt. Aus der Ankündigung:

Welcome to The Portsmouth Conference. Our event gathers leading international thinkers to address a major public policy issue in a civil and open dialogue before an audience of opinion and decision leaders. At this event a distinguished panel will discuss the consequences of policy choices relating to climate. We will leave the discussion of climate science to others and focus instead on the substantive effects of policies. The Conference provides a unique opportunity to explore improved public policy and investment strategies, as well as guidance on economic, regulatory and societal levels.

Zu den Teilnehmern der Diskussionspanels gehören Kevin Fay, Archbishop Bernardito Auza, Bjorn Lomborg, Charles McConnell, Mikko Paunio, Benny Peiser, Florence Reed, Joyashree Roy, Rob Threlkeld und Fritz Vahrenholt.

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 Dramatische Geschichte am 30. August 2018 in Spektrum der Wissenschaft:

Merkwürdiger Meereswirbel: Doppelte »Zeitbombe« vor Alaska
Ein sich aufblähender Deckel kalten Wassers liegt über einer immer wärmer werdenden Schicht. Wenn die wackelige Konstellation fällt, reichen die Folgen bis nach Europa. [...] Entlädt sich die Süßwasserlinse in den Nordatlantik, schneide sie Europa für einige Jahre von der tropischen Wärme des Golfstromsystems ab; eine Periode sehr kalter Winter wäre die Folge. Ein solches Ereignis habe es schon einmal gegeben, nämlich in den 1970er Jahren, als der Salzgehalt im Nordatlantik dramatisch absank. Fast die Hälfte aller extrem kalten Winter zwischen 1950 und 2010 seien in die Zeit dieser Anomalie gefallen. Die enorme Menge Süßwasser, die sich in den letzten anderthalb Jahrzehnten in der Beaufort-See angesammelt hat, sei deswegen »eine tickende Zeitbombe« für das Klima Europas, so Proschutinski 2014 auf einer Konferenz. [...]

Ganzen Artikel auf spektrum.de lesen.

Zuletzt in den 1970er Jahren aufgetreten, könnte heute wieder passieren. Das erinnert doch irgendwie an Ozeanzyklen wie AMO und NAO, die im Takt von 60 Jahren schwingen. Timmermans et al. 2018 verlieren darüber kein Wort. Sie zeigen sich klimahistorisch kurzsichtig, konzentrieren sich auf die letzten paar Jahrzehnte, sehen daher den Wald vor lauter Bäumen nicht. Stattdessen interpretieren sie alles aus der dramatisierten Heute-Perspektive, glauben jede Veränderung wäre außergewöhnlich. In diesem Fall wird das schrumpfende Meereis als Schuldiger präsentiert. Die Arbeit entwirft das Bild, dass die Warmwassermenge unter 100 m Tiefe  “irgendwie” an die Oberfläche gemischt werden soll, ohne sich die Mühe zu machen, dafür einen Mechanismus zu beschreiben und quantitativ durchzurechnen. Wie viele Stürme mit welcher Intensität müssten wann und wo auftreten und wie wahrscheinlich ist das? Schwach.

 

Inquisition 2.0: Einschränkung der Meinungsfreiheit zum Wohle der Menschheit

Volker Reinhardt mit einer klugen Analyse am 27. April 2018 in der Neuen Zürcher Zeitung (NZZ):

Die Freiheit des Denkens muss grenzenlos sein
Die Inquisition verfolgte alles, was nicht ins herrschende Weltbild passte. Viel haben wir seither nicht dazugelernt.

Als am 17. Februar 1600 auf dem römischen Campo-de’-Fiori-Markt der Scheiterhaufen loderte, waren sich nicht nur die Pilger des Heiligen Jahres, zu deren Erbauung das makabre Schauspiel vorrangig inszeniert wurde, sondern auch die Wohlgesinnten aller Länder einig: Derjenige, der hier lebendig verbrannt wurde, hatte es nicht anders verdient. Giordano Bruno, so sein Name, stand in weiten Teilen Europas für Ketzerei und schlimmer noch: für absolut unannehmbare, unerträgliche, nie und nimmer tolerierbare Ideen. Mit anderen Worten: Er war ein ambulanter Ansteckungsherd, der ausgemerzt werden musste, um eine weiterreichende Infektion, im schlimmsten Fall gar eine Epidemie des Irrglaubens und der verhängnisvollen Meinungen, zu verhindern.

[...] Daran hat sich bis heute nichts geändert. An die Stelle der alten Inquisitionen sind neue getreten, doch mit demselben Auftreten und demselben Anspruch: falsche Gedanken, Vorstellungen, Ideen zu unterdrücken, um die Welt vor dem Absturz ins Böse zu bewahren. So würde sich Giordano Bruno im Jahr 2018 in sehr unbehaglicher Art und Weise zu Hause fühlen.

Gewiss, die Scheiterhaufen lodern heute nicht mehr. Die Exkommunikation der Nichtwohlmeinenden besteht in Gesprächsverweigerung, Ausladung von akademischen Kolloquien, Ausgrenzung aus Kollegen- und Freundeskreisen, Boykottaufrufen und öffentlicher Anprangerung. Das Ziel aller Sanktionen ist die Einschränkung der Meinungsfreiheit, an die die Aufklärung als Forum und Regulativ einer emanzipierten Zivilgesellschaft so leidenschaftlich geglaubt hat. Darin sind sich Kardinal Giulio Santori, der Chef der römischen Zentralinquisition, die Bruno zum Feuertod verurteilte, weil er von seinen Ideen zum Kosmos nicht ablassen wollte, und heutige Korrektheitswächter vollkommen einig: Schlechte Ideen verderben den Menschen und müssen daher von ihm ferngehalten werden. [...]

Ganzen Artikel in der NZZ lesen.

 

Golfstrom geht es gut: PIK-Schauergeschichte erhält herben Dämpfer

Das große Schrecksszenario aus “Day after tomorrow” wird immer wieder aufgewärmt. Die Versüßung des oberen Endes des “Golfstromes” durch das schmelzende Eis in der Arktis reduziere den Nordatlantikstrom (NAC), und doom and gloom kommt über den nordatlantischen Raum. Nun hat ein Team von Forschern um Carina Bringedal von der Universität in Bergen das nördliche Ende der nordatlantischen Meereszirkulation untersucht (Bringedal & Eldevik 2018). Ergebnis: der Zufluss (“inflow”) von warmem Wasser und der Rückfluss (“overflow”) von dichterem Tiefenwasser gehen schön synchron, und seit 1998 sehen wir kein Langzeit-Divergieren wie es zu beobachten sein sollte, wenn die Versüßung die “Pumpe” langsamer machen sollte. Auf kürzeren Zeitskalen werden die Strömungen durch die Winde und die NAO beeinflusst, auf längeren Skalen durch die AMOC. Kein Zeichen von “kollabierendem Golfstrom” durch die antropogene Erwärmung der Arktis und dem damit verbundenem Schmelzen des Eises (Abb. 1). Auch hier also Entwarnung, die Katastrophe steht nicht vor der Tür.

Abbildung 1: Transportierte Wasservolumina im Nordatlantik während der vergangenen 25 Jahre. Graphik:  Bringedal & Eldevik 2018

 

In der Arbeit um die es bei den Doom and Gloom Voraussagen bzgl. des nachlassenden Golfstromes geht (Caesar et al. 2018), wird noch ein zweiter Grund genannt: anthropogene Einflüsse lassen es über dem nördlichen Atlantik mehr regnen. Auch das wird nicht beobachtet (Abb. 2).

Abbildung 2: Entwicklung der Regenmengen im nördlichen Atlantik in den letzten 35 Jahren. Graphik: KNMI Climate Explorer. Daten: NOAA.